Lippischer Orgelsommer in Hiddesen: Mit Johannes (Posaune) sowie Christian und Dirk Reinschmidt (von links).

„Die drei Reinschmidts“

Vater und Söhne gestalten den Orgelsommer in Hiddesen

Detmold. Beim Lippischen Orgelsommer haben rund 170 Besucher in der evangelisch-reformierten Kirche Hiddesen einen abwechslungsreichen Nachmittag erlebt.

Die von der Lippischen Landeskirche und dem Lippischen Heimatbund gemeinsam veranstaltete Konzertreihe macht während der Sommerferien in lippischen Kirchengemeinden Station. Bei freiem Eintritt verbinden sich dabei Orgelmusik und historische Einblicke mit Kaffee und Kuchen.

Cord Brüning vom Heimatverein Hiddesen begrüßte die Gäste. Pfarrerin Juliane Arndt nahm die Besucher mit in die Geschichte der Kirche. Die Gemeinde, die zunächst zur reformierten Marktkirche gehörte, wurde 1947 selbstständig. Das heutige Gotteshaus entstand in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nach Plänen des Hamburger Kirchbaumeisters Gerhard Langmaack und wurde im Herbst 1952 vollendet. Die zweimanualige Orgel mit 18 Registern wurde 1959 von der norddeutschen Orgelbaufirma Alfred Führer gebaut. Ein besonderer Blickfang ist das große Hauptfenster, das der Münsteraner Künstler Erwin Löhr entworfen hat und das 2014 eingebaut wurde. Den Abendmahlstisch fertigte der Hiddeser Tischlermeister Achim Voigt.
Eine neue ökumenische Perspektive erhält die Kirche zum 1. Advent: Dann zieht die katholische Filialkirche St. Stephanus mit in das Gotteshaus ein. Eine Marienfigur und ein Tabernakel werden eingebaut und die Kirche erhält dann den neuen Namen „Ökumenische Segenskirche“.

Nach dem Kaffeetrinken wurde es an der Orgel familiär. Unter dem Motto „Die drei Reinschmidts“ musizierten Organist Dirk Reinschmidt, der seit 16 Jahren für die Gemeinde tätig ist, und seine Söhne Christian (25) und Johannes (21).
Christian Reinschmidt eröffnete das musikalische Programm mit dem modernen Orgelstück „Beginning“ von Michael Schütz, das er rhythmisch prägnant gestaltete. Gemeinsam mit seinem Vater spielte er anschließend den ersten Satz des Concerto C-Dur von Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar in einer vierhändigen Bearbeitung. Der Komponist, ein Freund Bachs, starb bereits im Alter von 18 Jahren.
Zwei Kirchensonaten aus Mozarts Salzburger Zeit präsentierten Johannes und Dirk Reinschmidt im lebendigen Zusammenspiel. Anschließend widmeten sich Christian und sein Vater dem Präludium und der Fuge C-Dur von Johann Georg Albrechtsberger, der zu den Lehrern Beethovens zählte. Dabei verbanden sich klassische Eleganz und kunstvolle Kontrapunktik. Auf das festliche Präludium folgte eine klar strukturierte, präzise ausgeführte Fuge.
Den Silberglanz der Führer-Orgel ließen die Musiker mit dem Eingangschor „Lobe den Herren“ aus Bachs Kantate BWV 137 erstrahlen. Beim gleichnamigen Gemeindelied sangen alle mit, während Johannes Reinschmidt an der Posaune zusätzliche Klangfarben beisteuerte.
Für einen modernen Kontrast sorgte Dirk Reinschmidt mit „Joyful Invocation“ des amerikanischen Komponisten Lani Smith. Besonders stimmungsvoll erklang danach „Jesu, bleibet meine Freude“ aus Bachs Kantate BWV 147 in einer Bearbeitung für Posaune und Orgel, gespielt von den Brüdern Christian und Johannes.
Im Familientrio umrahmte eine Fughette von Johann Sebastian Bach das Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“. Die romantische Choralbearbeitung des Liedes von Christian Gottlob Höpner, Organist der Dresdner Kreuzkirche, gestalteten Johannes und Dirk Reinschmidt im harmonischen Zusammenspiel.

19.08.2026